Weiterbildungsstandards

Unter Weiterbildung fassen wir hier Angebote von Bildungseinrichtungen zusammen, die die Pflege von Obstgehölzen lehren und den Absolventen nach erfolgreichem Bestehen einer Abschlussprüfung Kenntnisse in der Obstgehölzpflege bestätigen. Diese erworbenen Bestätigungen tragen verschiedene Bezeichnungen, wie Baumwart, Streuobstfachwirt usw. Der Umfang der Weiterbildung unterscheidet sich dabei teilweise stark. Der Fachverband für Obstgehölzpflege hat sich deshalb die Aufgabe gestellt, insbesondere die Weiterbildungen, die sich an zukünftig gewerblich tätige Obstgehölzpfleger richten besser zu koordinieren und einen einheitlichen Mindeststandard zu etablieren. Dazu hat eine Arbeitsgruppe zur Koordinierung und Zertifizierung der Weiterbildungen in der Pflege von großkronigen Obstbäumen ihre Tätigkeit aufgenommen. Gern können Sie sich insbesondere als Weiterbildungseinrichtung in die Arbeit einbringen. Hierzu bitte den Kontakt nutzen der auf der Seite der Arbeitsgruppe angezeigt wird. 

 

Aktuell wurde von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe eine verbindliche Prüfungsordnung mit dem dazu gehörigen Curriculum der Mindestinhalte einer zertifizierten Weiterbildung verabschiedet. Diese können Sie hier einsehen: Prüfungsordnung (oder siehe unten)

 

Der nächste Schritt ist die Erstellung und Verabschiedung eines Zertifizierungsvertrages, welcher festschreibt, wie das Zertifizierungsverfahren für eine Weiterbildungseinrichtung abläuft und welche Rechte und Pflichten damit verbunden sind. Geplant ist die ersten Zertifizierungen im Jahr 2026 durchzuführen. Bei Interesse an einer Zertifizierung können sich Weiterbildungseinrichtungen bereits jetzt beim Fachverband melden.

Vortrag auf den Baumpflegetagen Augsburg 2026

Prüfungsordnung Grundkurs für Obstgehölzpflege

Die vom Fachverband Obstgehölzpflege e.V. für den Grundkurs Obstbaumpflege zertifizierten Bildungseinrichtungen führen ihre Prüfung auf Grundlage dieser Prüfungsordnung durch.
Das Curriculum (Punkt 4.1 und 4.2) ist Bestandteil der Prüfungsordnung.

 

1. Ziel der Prüfung

Durch die Prüfung ist festzustellen, ob die zu Prüfenden, die grundlegenden und notwendigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten besitzen, die im Curriculum aufgeführten Arbeiten in der Obstgehölzpflege eigenverantwortlich durchzuführen.

 

2. Bezeichnung des Abschlusses

Nach erfolgreichem Abschluss des Grundkurses darf der/die zu Prüfende folgende Bezeichnung tragen.

(Benennung des Abschlusses durch die Bildungseinrichtung)
nach der Prüfungsordnung des Fachverbandes Obstgehölzpflege e.V.

 

3. Zulassungsvoraussetzung

Voraussetzung für die Zulassung zur schriftlichen und praktischen Prüfung ist die Teilnahme am Grundkurs im Umfang von mindestens 150 Stunden (lt. Tabelle 4.2).
Es dürfen maximal 10 % Fehlstunden bestehen.
Zur Prüfung kann auch zugelassen werden, wer durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise nachweisen kann, dass die Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten entsprechend den Lehrinhalten des Grundkurses erworben worden sind.
Dies muss im Einzelfall durch die zulassende Bildungseinrichtung geprüft werden.

 

4.1 Curriculum und Aufbau Grundkurs

Curriculum (prüfungsrelevante Themen für den Grundkurs Obstbaumwart, Obstbaumwartin)

 

Streuobst Allgmein

Planung und Anlage von StreuobstwiesenNutzung, bodenkundliche Grundlagen, Standortwahl, Pflanzabstände, Arten- und SortenwahlTheorie
 Pflanzenqualität, Kronenformen u. -größen (Hochstamm…), BaumschulenTheorie
 Rechtliches zur Obstbaumpflege, FördermöglichkeitenTheorie
 Arbeitsaufwand, Kalkulation von Anlage u. Pflege Theorie
Pflanzung, BodenpflegeBaumpflanzung, Verbisschutz, Wühlmausschutz, Pflege der BaumscheibeTheorie
Praxis
BaumökologieBaumgesundheit, Mangelerscheinungen, Organismen im Baum, KrankheitenTheorie
Praxis
WiesenökologieStreuobstwiese als Lebensgemeinschaft, Artenvielfalt, Wiesenpflege, NützlingsförderungTheorie

 

Veredeln und Sortenkunde

Grundlagen des VeredelnsWurzelunterlagen, Reiserbeschaffung, wichtige VeredelungsartenTheorie
Praxis
Sortenkunde Wichtige alte und neue Obstarten und -sorten, lokale Besonderheiten, Standorteignung, Anfälligkeiten, Habitus und WuchseigenschaftenTheorie
Sortenbestim-
mung
Grundlagen der PomologieTheorie
Praxis

 

Grundlagen Obstbaumschnitt

BaumbiologiephysiologieGrundlagen der Baumbiologie, Wachstumspotentiale / -gesetze, Schnittzeitpunkte, WundheilungTheorie
 Kronenaufbau -statik, Kronenformen / Kronenmodelle Theorie
 Physiologische Altersstufen Theorie
 Schnittphasen: Pflanzschnitt, Aufbauschnitt (bisher Erziehungsschnitt), Erhaltungsschnitt / Fruchtholzschnitt, intensive Kronenumstrukturierung (Umstellung), Regenerationsschnitt, KronensicherungsschnittTheorie
Praxis
Baumansprache, Zielsetzung und MaßnahmenfindungBeurteilung der Vitalität (Regenerationsstufen), Stabilität, Nutzbarkeit, Festlegung von Pflegezielen Auswahl zielführender MaßnahmenTheorie
Praxis
WerkzeugkundeVerschiedene Leitern, Schneidwerkzeuge und weitere ArbeitsgeräteTheorie

 

Arbeitssicherheit, Unfallmanagement

Arbeitssicherheitsicherer Gebrauch von Leitern und SchneidwerkzeugenTheorie
Praxis
 Unfallverhütungsvorschriften, SVLFGTheorie
 PSA (Persönliche Schutzausrüstung) Sicherungstechniken / Absturzsicherung in großkronigen (Alt)BäumenTheorie
 Unfallmanagement Theorie

 

Fachgerechte Obstbaumpflege / Schnitt

 Schnittführung, Aststärken, Wundheilung (Einsatz von Hilfsmitteln)Theorie
Praxis
 

Schnittarten (Ableiten …, Anschneiden, Wegschneiden)

Schnittechniken

Theorie
Praxis
 Aufbau (Erziehung) von Stammverlängerung / Leit- und SeitenästenTheorie
Praxis
 Schnitt von Jungbäumen, Ertragsbäumen und Altbäumen
Aufbauschnitt, Erhaltungsschnitt, Erneuerungsschnitt,
Theorie
Praxis
 Schnittmaßnahmen
Schlankschnitt, Kronenauslichtung, Kroneneinkürzung, Fruchtholzschnitt …
Theorie
Praxis
 Schnittempfindliche Baumarten, besondere ObstartenTheorie
Praxis
 SchnittzeitpunkteTheorie
Praxis

 

4.2 Anteile Theorie und Praxis im Grundkurs

Stundenzahlen verteilt auf Themen und Verteilung von Theorie und Praxis

 

 Summe
Stunden

Schnitt, UVV 

(Unfallverhütungsverordnung)

Veredeln,
Sortenkunde
Bodenpflege, Wiesen- und Obstbaumökologie, PlanungSonstiges
Praxis100755515
Theorie501581512
Summe15090132027
Prozent100 %60 %9 %13 %18 %

* Inhalt und Verteilung von Theorie/Praxis der Spalte „Sonstiges“ ist von den Bildungseinrichtungen frei wählbar

 

5.1 Ablauf der Prüfung

Die Prüfung gliedert sich in zwei Teile:


1. Die schriftliche Prüfung basiert auf den Inhalten des Curriculums.
Die Prüfungsbereiche sind:


Planung und Anlage von Streuobstwiesen
Pflanzungen und Bodenpflege von Streuobstbeständen
Baum- und Wiesenökologie
Veredeln und Sortenkunde
fachgerechte Obstbaumpflege / Obstbaumschnitt
Arbeitssicherheit
 

Die schriftliche Prüfung soll 120 Minuten nicht überschreiten.


2. Die praktische Prüfung erfolgt zum Nachweis der Fähigkeiten im Obstbaumschnitt.
Sie wird mindestens in Form eines Prüfungsgespräches durchgeführt, welches in Baumansprache - Zielsetzung - Maßnahmenfindung gegliedert ist.
Es wird das Vier-Augenprinzip angewendet.
Das Prüfungsgespräch sollte als Simulation einer tatsächlichen Obstbaumpflege durchgeführt werden.
Die praktische Prüfung soll 60 Minuten nicht überschreiten

 

5.2. Bestehen der Prüfung

Die Prüfungskommission stellt die Ergebnisse der Prüfung fest.
Für ein erfolgreiches Bestehen der Prüfung müssen beide Prüfungsteile als bestanden gewertet worden sein. Sie gehen jeweils zu 50 % in die Gesamtwertung ein.


Beurteilungsschlüssel:
0% - 49 % nicht bestanden
50% - 100 % bestanden
Noten werden nicht erteilt.

 

5.3. Wiederholung der Prüfung

Nicht bestandene Prüfungsteile können einmal wiederholt werden.
Bereits bestandene Prüfungsteile müssen nicht wiederholt werden.
Art, Ort und Termin der Wiederholung werden von der Bildungseinrichtung festgelegt.
Ansonsten gelten die Bedingungen unter Punkt 5.1 und 5.2